Enel verzögert Mochovce-Ausbau – ökonomische Probleme ausschlaggebend

Premier Fico droht dem italienischen Unternehmen mit „harten Reaktionen“

(Eigenbericht von PAVLOVEC ENERGY CONSULTING, 5. Dezember 2012) Die Fertigstellung der veralteten Blöcke 3 und 4 im slowakischen Mochovce ist mit weiteren Verzögerungen und Kostenüberschreitungen konfrontiert. Dies führt zu schweren Konflikten zwischen dem italienischen Konzern Enel – Mehrheitseigentümer des Mochovce-Betreibers SE – und dem für seine fanatische Unterstützung der Atomkraft bekannten slowakischen Premier Fico. „Wir kommen in eine Situation, wo die Italiener beginnen, zusätzliche Gelder zu verlangen. Wir werden auf einige Dinge sehr hart reagieren müssen“, erklärte Fico gestern im Rahmen eines Wirtschaftsforums.

Die Kostenerhöhung scheint nicht das einzig Probleme des Mochovce-Projektes zu sein. Bereits zu Beginn des heurigen Jahres wurde eine Verzögerung des Projektes um ein Jahr bekannt. Nun kommt ein weiteres Jahr hinzu. Nach dem neuen Zeitplan sollte der erste der beiden Blöcke Ende 2014 in Betrieb gehen, der zweite Block einige Monate später. Bemerkenswert erscheint in diesem Zusammenhang, dass Enel vor einigen Tagen seinen Rückzug aus dem französischen AKW-Projekt Flamanville 3 bekannt gab.

Die in Mochovce  im Bau befindlichen Reaktorblöcke besitzen ähnlich wie die Fukushima-Reaktoren keine druckfeste Schutzhülle (Containment). Dies führt zu einem wesentlich erhöhten Risiko von radioaktiven Freisetzungen bei Unfällen. Auch der Schutz gegen externe Gefahren (Flugzeugabsturz) ist unzureichend. Die Fertigstellung der Reaktorblöcke 3 und 4 in Mochovce stellt daher das derzeit gefährlichste AKW-Projekt in Europa dar.

Die österreichische Bundesregierung bleibt angesichts dieser enormen Gefährdung der österreichischen Bevölkerung untätig. Anstatt die Frage des fehlenden Containments auf die internationale Bühne zu heben, unterzeichneten Vertreter des Umweltministeriums mit Zustimmung von Minister Berlakovich im Oktober 2010 eine umfassende Schweigevereinbarung zu diesem Thema. Auch gegen das mit zahlreichen Mängeln behaftete UVP-Verfahren startete die Bundesregierung kein zwischenstaatliches Vertragsverletzungsverfahren, sondern forderte die ÖsterreicherInnen zur regen Teilnahme auf.