Enel erwägt Rückzug aus der Slowakei – Stillstand in Mochovce

(Eigenbericht von PAVLOVEC ENERGY CONSULTING) Der italienische Konzern Enel erwägt laut Meldungen slowakischer Medien den Verkauf seines Mehrheitsanteiles am dominanten slowakischen Stromversorger SE a.s. Als Grund wird ein verstärktes Engagement in Südamerika angeführt, für das zusätzliche Mittel benötigt werden. In Wirklichkeit geht es jedoch um Probleme mit der Fertigstellung des AKW Mochovce. An diesem Standort sollen zwei völlig veraltete sowjetische Blöcke ohne Containment fertig gebaut werden – derzeit das gefährlichste AKW-Projekt weltweit.

Das Projekt wird von zahlreichen Verzögerungen und Kostensteigerungen begleitet. Seit der Katastrophe von Fukushima laufen die Aktivitäten an der AKW-Baustelle auf Sparflamme. Wegen zusätzlicher Sicherheitsmaßnahmen wurde eine weitere Kostenerhöhung von 800 Millionen Euro bekannt. Enel streitet mit dem slowakischen Staat um die Beteiligung an den Mehrkosten.

Strategisch ergibt für Enel das slowakische Engagement keinen Sinn mehr. Das Unternehmen betreibt keine AKW´s außerhalb der Slowakei. Nach dem Scheitern der von Berlusconi ausgerufenen Atomrenaissance in Italien gibt es auch keine Pläne für die Errichtung neuer AKW´s. Das Risiko aus dem Betrieb der veralteten sowjetischen Reaktoren ist für das Unternehmen sehr hoch. Die Fertigstellung der beiden Mochovce-Blöcke ist nicht nur sicherheitstechnisch ein Risiko, sondern auch ein wirtschaftliches Desaster.

Es ist davon auszugehen, das die Arbeiten in Mochovce bis zum Verkauf des Enel-Anteiles nicht fortgeführt werden. Es ist daher von einer weiteren mehrjährigen Verzögerung des Projektes auszugehen, die Chancen für den endgültigen Abbruch steigen lässt.